CDU Stadtratsfraktion Koblenz

Überfüllte Uni: Stadt kann kaum helfen

Raumangebot erst ab 2012/2013 möglich – CDU will schnellere Lösungen

Vorlesungen im Freien – Vollversammlungen auf dem Campus: Den Studenten reicht es auch in Koblenz. Studentenzahlen steigen, Fachkräfte fehlen, Räume platzen aus allen Nähten – die Situation bringt viele auf die Palme. Teile der Politik wollen jetzt auch die Stadt Koblenz mehr in die Verantwortung nehmen.

KOBLENZ. Eigene Räumlichkeiten kann die Stadt Koblenz der Universität im Kampf gegen die Raumnot und überfüllten Hörsäle nicht anbieten. Das macht Dr. Eberhard Schulte-Wissermann (SPD) zumindest für die kommenden Jahre klar. Erst ab 2012/2013, so der Oberbürgermeister, könnten die bisherigen Standorte der Jugend- und Erwachsenenbibliothek und des Mittelrhein-Museums zur Verfügung stehen. Dann nämlich, wenn die bisherigen Nutzer – Bibliothek und Museum – auf dem Zentralplatz eingezogen sind.

Neben der zeitlichen Komponente weist der OB aber auch gleich auf einen weiteren Haken hin: “Die Gebäude haben einen erheblichen Sanierungsstau.”

Der CDU ist dieses Angebot zu wenig. Die Fraktion erwartet sich von der Verwaltung mehr Unterstützung, hatte daher die Möglichkeiten schriftlich erfragt. “Bei der Konzeption der Koblenzer Uni gingen die Planer von rund 1600 Studierenden aus”, berichtet Fraktionschefin Anne Schumann-Dreyer, “tatsächlich sind derzeit jedoch 6336 Studierende eingeschrieben.” Und: Mit einer Verbesserung der Situation könne kurzfristig nicht gerechnet werden. Der Ansatzpunkt für die Union, auf die Hilferufe der Studenten zu reagieren und an Lösungen zu arbeiten.

Und da reicht der Fraktion die Antwort der Verwaltung (Schumann-Dreyer: “Wenig wohlwollend.”) nicht aus: “Meine Erwartung wäre gewesen, dass die Stadt sagt, man setzt sich mit dem Land zusammen”, betont die CDU-Fraktionschefin. Jetzt brauche man eine Verbesserung der Situation. Traurig sei es, dass die Stadt Versäumnisse des Landes mit ausbaden müsse, ergänzt Fraktionsvize Andreas Biebricher. Aber: “Es bringt nichts, sich jetzt schmollend in die Ecke zu stellen.”

Und so hat die Union nach Möglichkeiten gefragt, Gebäude auf Konversionsflächen zu nutzen, die ehemaligen Uni-Gebäude auf dem Oberwerth doch weiter zu nutzen. Die Möglichkeiten sehen aber nicht gut aus. “Freie Gebäude auf Konversionsflächen bestehen nur in der Fritsch-Kaserne”, so Schulte-Wissermann. Auch Teile der ehemaligen Gebäude der Bundesanstalt für Gewässerkunde seien noch nicht belegt, die ehemalige Standortverwaltung werde aktuell von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben angeboten. Ob davon aber etwas infrage kommt?

Diese Frage will die Stadtverwaltung bei den Gebäuden auf dem Oberwerth nicht beantworten, ist sie doch nicht Eigentümerin. “Die Beurteilung der landeseigenen Gebäude auf dem Oberwerth”, so Schulte-Wissermann, obliegt dem Land. Und Mainz hat seine Pläne für den Oberwerth bereits dargelegt: Eine hochwertige Wohnbebauung soll dort entstehen. Die ehemalige Uni-Sporthalle kann von Verbänden und Schulen noch bis August 2011 genutzt werden – dann ist Schluss (die RZ berichtete). Und auch bei der Parksituation gibt es wenig Neues: Der Bau eines Parkdecks im Umfeld der Uni in Metternich sei diskutiert worden. Das Wissenschaftsministerium will das aber aus grundsätzlichen Überlegungen nicht, wie der Koblenzer OB berichtet: Man will keinen Präzedenzfall schaffen. Für die Stadt sei der Bau aber für eine spätere kostenlose Nutzung auch nicht machbar. Schulte-Wissermann: “Sollte eine städtische Gesellschaft die Investition tätigen, wäre eine flächendeckende Parkraumbewirtschaftung aller Parkplätze im gesamten Umfeld der Universität notwendig.” Ob das die Akzeptanz der Studenten finden würde, ist aus Sicht des Stadtchefs offen. Sowie das weitere Vorgehen – aber die Union will auf jeden Fall dranbleiben. Reine Lippenbekenntnisse für die Bildung reichten nicht aus. Man sei stolz auf die Uni und die Studenten. Anne Schumann-Dreyer: “Wir bleiben dran und suchen weiter nach Lösungen.”

Ingo Schneider

RZ Koblenz & Region vom Mittwoch, 17. März 2010, Seite 13.