City-Halt: Doch kein Eingang zum Center
Gegner befürchten verzerrten Wettbewerb – OB: Das ist nicht logisch
Wird es einen direkten Zugang vom geplanten Schienenhaltepunkt in das Löhr-Center in Koblenz geben oder nicht? Der Oberbürgermeister wollte Klarheit – und die hat er in der Sitzung des Stadtrats erhalten. Wenn auch nicht so, wie er es sich gewünscht hätte.
KOBLENZ. Es bleibt dabei: Der Schienenhaltepunkt Mitte in Koblenz wird keinen direkten Zugang zum Löhr-Center erhalten. Alles Werben von SPD und Oberbürgermeister Dr. Eberhard Schulte-Wissermann fand bei der großen Mehrheit des Stadtrats kein Gehör: Bei der Frage “Wer ist dagegen?” gingen bei allen anderen Fraktionen die Hände hoch.
Stadtchef wollte Klarheit
2007 hatte es eine solche Entscheidung schon einmal im Buga-Ausschuss gegeben. Vor gut einem Jahr aber gab es eine unerwartete Wende: Eben jener Ausschuss erteilte dem OB den Auftrag, mit Center-Betreiber ECE in Verhandlungen zu treten, wie ein Zugang doch noch möglich werden könnte. Nachdem das für viel Wirbel gesorgt hatte, wollte Schulte-Wissermann jetzt ein klares Votum im Rat.
Das hat er jetzt, aber anders, als er sich das gewünscht hatte. Denn ein Schienenhaltepunkt ohne den Zugang widerspreche dem gesunden Menschenverstand. “Es ist nicht logisch”, betonte der OB. Und die Argumente der Gegner überzeugen ihn auch nicht. “Verbraucher und Kunden werden Ihnen das sicher nicht anerkennen.” Er erinnerte zudem noch einmal an die Bedeutung des Centers für Koblenz.
Doch all das konnte die Gegner für den Zugang nicht erwärmen. Hans-Jörg Assenmacher betonte noch einmal für die CDU, wie wichtig es sei, die Reisenden zum Löhrrondell zu leiten. Dieses wird aufwendig zum neuen Tor der Innenstadt gestaltet. Die Frequenz werde dort dringend gebraucht. “Sonst wird das kein Erfolg.”
Einen Hauptpunkt der Kritik brachte Peter Kaiser auf den Punkt: Mit dem Eingang befürchte man eine zu starke Konzentration auf das Löhr-Center – zulasten des übrigen Einzelhandels, wie der FDP-Fraktionsvize betonte. Eben jene “Wettbewerbsverzerrung zulasten der Stadt” führte auch Paul Henchel, stellvertretender Vorsitzender BIZ-Fraktion, an. Dass die Besucher mit Rücksicht auf die Kaufmannschaft den vorgesehenen Weg an der Herz-Jesu-Kirche vorbei nehmen, hielt auch FBG-Chef Manfred Gniffke für “zumutbar”. Zumal, so Grünen-Ratsfrau Sylvia Enger, es dem Rat um eine sinnvolle Stadtplanung gehen müsse. Sie wünsche sich, dass Gäste zunächst etwas von der Stadt Koblenz sehen – und nicht gleich in einem Center landen.
SPD: Schilda lässt grüßen
Für die SPD waren all diese Argumente nicht neu. “Neu ist nur, dass wir diesen Schilda-Beschluss noch einmal bestätigen”, meinte Fraktionsvize Gerhard Lehmkühler. Das werde die Stadt deutschlandweit bekannt machen. Mehr als das ärgere ihn aber, dass die Gegner mit dem Auftrag im Ausschuss die Verwaltung jetzt ein Jahr umsonst hätten arbeiten lassen. Lehmkühler: “Den Aufwand hätte man sich sparen können.”
Ingo Schneider
RZ Koblenz & Region vom Samstag, 7. November 2009, Seite 21.