CDU Stadtratsfraktion Koblenz

Engel nimmt sich der Patienten an

Fürsprecherin im Kemperhof wird erneut im Amt bestätigt – Kritik der Kranken geht querbeet – “Man muss hartnäckig sein”

Wer krank oder verletzt ist, ist oft besonders empfindlich. Das passt nicht immer gut zusammen mit dem hektischen Alltag in den Krankenhäusern. Reibungspunkte zwischen Patient und Belegschaft ergeben sich an vielen Stellen. Doch an wen können sich Kranke mit Kritik und Problemen wenden? Im Kemperhof gibt es für sie eine feste Bezugsperson.

KOBLENZ. Doris Engel ist seit zehn Jahren erste Anlaufstelle für Kritik, Anregungen und Probleme der Patienten im Koblenzer Kemperhof. Und sie wird es weiter bleiben: Die Vorstädter CDU-Politikerin wurde vom Stadtrat einstimmig in ihrem Amt als Patientenfürsprecherin bestätigt.

Damit ist die 68-Jährige auch künftig Bezugsperson für alles, was die Patienten bewegt. Und die Palette der Kritik ist breit: “Es geht querbeet”, berichtet Engel. Vom fehlenden Haken im Bad oder Griff neben der Toilette über falsche Essenslieferung bis hin zu frostigen Temperaturen in der Empfangshalle des Krankenhauses: Vieles findet den Weg in den Beschwerdekasten der Fürsprecherin. Teils berechtigt, teils unberechtigt, wie Engel zu berichten weiß.

Die Erwartungshaltung, dass etwa das Licht in der Dusche exakt so platziert ist, wie ein Patient es von zu Hause kennt, findet auch die Vorstädterin überzogen. Dass aber in früheren Zeiten Patienten der Endoskopie nach ihrer Untersuchung im Flur abgestellt wurden, im Bett, benommen und mehr oder weniger unbetreut, war auch für Engel ein absolut berechtigter Kritikpunkt. Oder dass Mütter, die in der Kinderstation bei ihrem kranken Nachwuchs die Stellung hielten, morgens nicht einmal einen Kaffee erhalten konnten. Oder dass im sogenannten blauen Salon in der Intensivstation Betrunkene einfach auf einer abspritzbaren Matte abgelegt wurden – für diese und alle weiteren Patienten wenig erbaulich.

Natürlich weiß auch die 68-Jährige, dass hinter vielem der Sparzwang steht. Und die mangelnde Zeit des mehr als gut ausgelasteten Personals. Aber doch arbeitet man im Klinikum immer an Verbesserungen. “Es wird viel gemacht”, berichtet Engel – und nennt etwa die neue Endoskopie oder die neue Intensivstation als Beispiele, wo die angesprochenen Probleme Lösungen finden.

Als Helferin der Patienten sieht sich die Vorstädterin. Jeden Freitag ist sie im Kemperhof persönlich ansprechbar, den Rest der Woche können Kritikpunkte über einen Anrufbeantworter oder natürlich über Beschwerdezettel weitergegeben werden. Und das wird rege genutzt: 40 Beschwerden kommen im Monat zusammen. “Mal mehr, mal weniger.” Von der Bagatelle bis zur ernsthaften Kritik – etwa an den nicht behindertengerechten Aufzügen, die lange für Ärger sorgten.

Ist der Patient noch im Haus, besucht Engel ihn persönlich, macht sich ein eigenes Bild, spricht dann die Verantwortlichen an. Nicht selten lassen sich schnelle Lösungen finden. Ein Mann wollte Engel etwa zum Probeliegen auf seinem Bett überreden. Das Kissen war voller Knubbel, Kopfschmerzen bekomme er davon. Eine schnelle Nachfrage zeigte: Es gab noch genug Kissen im Lager.

Nicht alle Kritikpunkte lassen sich aber so schnell lösen. “Man muss hartnäckig sein”, weiß Engel. Muss dranbleiben, wenn man etwas erreichen will. Und genau das wird sie jetzt für weitere fünf Jahre machen – mindestens.

Ingo Schneider

RZ Koblenz & Region vom Donnerstag, 8. Oktober 2009, Seite 19.