Clemens-Brentano: Rat fällt Entscheidung
Realschule wird in kooperativer Form geführt – Fraktionen sehr uneins
Integrativ oder kooperativ: Über die bessere der beiden Formen der “Realschule plus” gibt es fast einen Glaubensstreit. Im Fall der Clemens-Brentano-Realschule musste dieser vom Stadtrat entschieden werden. Und das Votum fiel knapp aus.
KOBLENZ. Die Clemens-Brentano-Realschule wird künftig gemeinsam mit der Overbergschule als eine “Realschule plus” an zwei Standorten geführt – und das in kooperativer Form. In einer knappen Entscheidung entschied sich letztlich eine von CDU und FBG angeführte Mehrheit für das Modell, nach dem sich nach einer gemeinsamen fünften und sechsten Klasse für die Schüler ab der siebten Klasse der Bildungsweg gabelt.
Notwendig geworden war die Entscheidung des Rats, weil sich beide Schulen nicht einigen konnten. Während die Clemens-Brentano-Schule eben jene kooperative Form favorisierte, wollte die Overbergschule gerne die integrative. Dabei bleiben die Schüler nach der sechsten Klasse zusammen, eine Einteilung in verschiedene Kurse erfolgt in einzelnen Fächern.
Über die Fraktionsgrenzen hinweg hätte man diese Entscheidung lieber nicht treffen wollen. Demokratisch fand Oberbürgermeister Dr. Eberhard Schulte-Wissermann (SPD) zwar die Tatsache, dass kein Modell vorgeschrieben werde. Aber: “Der Rat soll damit Schiedsrichter für eine bildungspolitische Frage sein”, monierte Harry Wiesemüller, Schulexperte der CDU. Er wollte ganz klar stellen, dass man sich nicht gegen die Overbergschule stelle, sondern nur das System Clemens-Brentano vorziehe. So sah es auch die FBG-Fraktion von Manfred Gniffke.
Das “grüne” Modell dagegen, nämlich die integrative Form, fand dagegen die Zustimmung der Grünen. Und auch Dr. Michael Gross (Fraktion Dr. Gross/Henchel) meinte, mit diesem Modell könne man flexibler reagieren. Und das Ziel verfolgen, länger gemeinsam zu lernen, wie der Landtagsabgeordnete Heribert Heinrich (SPD) betonte. Auch er warb für die integrative Form – wie sie im Übrigen auch im Schulträgerausschuss im Vorfeld befürwortet worden sei. Letztlich aber blieb die Ratsmehrheit für die kooperative Form – die auch zahlreiche Schüler und Lehrer der betroffenen Schulen in der Sitzung zur Kenntnis nahmen.
Ohne weitere Diskussion liefen dagegen die weiteren Punkte in Sachen “Realschule plus”: Auf der Karthause wird ebenfalls die kooperative Form errichtet. Die Goetheschule dagegen erhält die integrative Form. Und: Die Comenius-Hauptschule wird ab dem Schuljahr 2010/2011 auslaufen. Zu allen drei Punkten gab es eine einstimmige Entscheidung – bei jeweils einer Enthaltung. Ingo Schneider
Rhein-Zeitung – Ausgabe Koblenz und Region vom 09.05.2009, Seite 22.