Neue Zweifel an Nabu-Plan
CDU-Fraktion fordert neues Gutachten für Schmidtenhöhe – Wird Beweidungskonzept ausgesetzt?
Die Zukunft der Schmidtenhöhe scheint nach wie vor offen zu sein. Denn der Widerstand gegen die geplante Ansiedlung von Rindern und Pferden wird größer. Und auch in der Mehrheitsfraktion im Koblenzer Rat nehmen die Bedenken zu. Die Kritiker mahnen nun, nichts zu überstürzen.
HORCHHEIM. Die CDU-Fraktion im Koblenzer Stadtrat will erreichen, dass das umstrittene Beweidungskonzept für die Schmidtenhöhe vorläufig ausgesetzt wird. Ein entsprechender Antrag soll in der nächsten Ratssitzung am Donnerstag, 7. Mai, diskutiert werden.
Dabei standen die Chancen nicht schlecht, dass auf der Schmidtenhöhe schon in naher Zukunft Wildpferde und Taurusrinder leben werden: Die Mehrheit des Rates hatte das Beweidungskonzept des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) – der als Dienstleister für das Land Rheinland-Pfalz auf der Höhe tätig werden soll – ursprünglich befürwortet. Doch jetzt sieht es so aus, dass die Sache noch einmal ins Wanken geraten könnte. Denn die CDU-Fraktion will nicht nur einen Zeitgewinn, sondern fordert Oberbürgermeister Eberhard Schulte-Wissermann auf, “sich unverzüglich mit dem rheinland-pfälzischen Umweltministerium ins Benehmen zu setzen und die aufgrund aktueller neuer Erkenntnisse gebotene Aussetzung sicherzustellen”.
Neue Argumente
Nach den Vorstellungen der CDU soll schnellstmöglich ein unabhängiges naturschutzfachliches Gutachten eingeholt und eine Bestandserhebung vorgenommen werden. In der Begründung ihres Antrages räumt die Union ein, dass sie das ursprüngliche Beweidungskonzept (die RZ berichtete mehrmals ausführlich) mitgetragen habe. Im Zuge einer Bürgerversammlung im März seien jedoch völlig neue Aspekte ins Spiel gebracht worden und deshalb ein erheblicher Klärungsbedarf entstanden. Die Fraktion erinnert in diesem Kontext an die Bewirtschaftung mithilfe von Schafen und Ziegen, was den Interessen des auf der Horchheimer Höhe aktiven Schäfers entsprechen würde.
Während vor allem in Arzheim und Horchheim der Unmut über die Nabu-Pläne steigt, scheinen die Fronten hinter den Kulissen gar nicht so verhärtet zu sein wie die jüngste Debatte vermuten lässt. Dafür spricht auch der Verlauf der gestrigen öffentlichen Sitzung des Umweltausschusses in Mainz. Die großen Auseinandersetzungen blieben aus, weiß Ratsmitglied und MdL David Langner (SPD) zu berichten. Bekanntlich hatte die FDP beantragt, dass Thema im Mainzer Ausschuss zu behandeln. Da während der Sitzung bekannt wurde, dass Nabu und Schäfer unmittelbar vor einer Einigung stehen, blieb der erwartete Schlagaustausch aus.
Widerstand bleibt
Die jüngsten Entwicklungen in Mainz bedeuten aber nicht zwangsläufig, dass das Beweidungskonzept nun zügig umgesetzt wird. Ganz im Gegenteil: Die CDU musste ihren Antrag in den Rat einbringen, weil die prominentesten Gegner des Projekte aus den eigenen Reihen kommen. So gibt sich der Arzheimer Ortsvorsteher Josef Kraemer mit den jüngst vom rheinland-pfälzischen Nabu-Vorsitzenden Siegfried Schuch präsentierten Gegenargumenten nicht zufrieden. Und auch der frühere Generalstaatsanwalt Norbert Weise – ein weiterer prominenter Projektgegner – bleibt dabei, dass im Zuge der Umsetzung des Beweidungskonzeptes weite Teile des Naherholungsgebietes Schmidtenhöhe für die Öffentlichkeit gesperrt werden. Die vom Nabu genannten Maßnahmen zum Zweck, “die Naherholung zu fördern”, würden die tatsächliche Situation auf den Kopf stellen.
Auch die Kostenkalkulation des Naturschutzbundes stößt auf wenig Gegenliebe: “Fakt ist doch, dass Ihr Projekt sehr viel Geld kostet, wobei es nicht von entscheidender Bedeutung ist, aus welchen Mitteln die Förderung erfolgt. Dagegen ist die Ziegen- und Schafbeweidung nicht nur kostenneutral, sondern bringt auch Pachtzahlungen ein”, so Norbert Weise in einem Brief an den Nabu-Landesvorsitzenden Schuch. (ka)
Rhein-Zeitung – Ausgabe Koblenz und Region vom 24.04.2009, Seite 20.