CDU Stadtratsfraktion Koblenz

Brücken: Prüfung läuft noch bis 2012

Fraktionen haken nach – Baudezernent: Prioritätenliste braucht ihre Zeit

Der Eindruck, dass in Koblenz eine Brücke nach der anderen bröckelt, wird mit immer neuen Schreckensnachrichten befeuert. Aus fast allen Parteien wurde die Bauverwaltung mit Fragen gelöchert. Die Antworten der Stadt machen klar: Bis man sich überhaupt über das volle Ausmaß des Problems im Klaren ist, werden noch Jahre vergehen.

KOBLENZ. Eine Prioritätenliste für die Koblenzer Brücken wird es vor dem Jahr 2012 nicht geben. “Voraussetzung dafür ist, dass alle Bauwerke nach DIN 1076 geprüft, die Prüfungen analysiert und kostenmäßig erfasst wurden”, betont Baudezernent Martin Prümm (CDU). Erst dann seien Sanierungsumfang und Kosten seriös zu ermitteln. In Anspruch genommen werden kann aber bereits die Summe von 1 Million Euro für Prüf- und Sicherungsmaßnahmen – und das schon vor der Genehmigung des gesamten Haushalts, wie Prümm berichtet.

Klar ist auch bereits, dass neben den bislang bekannten, (teil-)gesperrten Brücken weitere Untiefen warten. Prümm: “Insbesondere an der Europabrücke und an der Pfaffendorfer Brücke wurden sehr deutliche Schadensbilder vorgefunden.” Und: Die Prüfpflicht besteht nicht nur für Brücken, sondern für alle Ingenieurbauwerke der Stadt, also auch für Stützbauwerke, Tröge, Unterführungen, Verkehrzeichenbrücken und Lärmschutzwände.

Keine Prioritätenliste vor 2012? Eine Nachricht, die in Koblenz nicht für Freude sorgen wird. Gleich mit vier Anfragen aus der Politik musste sich der Chef der Bauverwaltung beschäftigen: CDU, Grüne, FDP und die Fraktion Dr. Michael Gross/Paul Henchel hakten nach. Teilweise nahmen sie die Situation der Horchheimer Brücke, teilweise das stadtweite Gesamtproblem aufs Korn.

Und um diesem effektiv begegnen zu können, soll eben jene Prioritätenliste zusammengestellt werden, die, so Prümm, die Bauwerke nach Verkehrsumfang, Schadensumfang und Kosten sortiert. Für Rat und Verwaltung soll es so möglich werden, die Notwendigkeit von Baumaßnahmen frühzeitig zu erkennen und die Kosten dafür frühzeitig einzuplanen.

Diese werden übrigens auch weiterhin Ingenieurkosten enthalten. Denn: “Das Tiefbauamt geht davon aus, dass, soweit rechtlich und verwaltungsintern möglich, reine Ingenieuraufgaben auch weiterhin an Dritte vergeben werden”, kündigt Prümm an. Daneben soll es aber auch Bewegung bei der angespannten personellen Situation auf städtischer Seite geben: “Der Stellenplan 2009 sieht für den konstruktiven Ingenieurbau eine weitere Ingenieur- und eine weitere Technikerstelle vor”, berichtet Prümm. Die Verwaltung arbeitet nun daran, diese Stellen so schnell wie möglich zu besetzen.

Weitere Details wurden im Übrigen zu zwei Brücken bekannt: Für die Horchheimer Brücke hat die Verwaltung eine vorläufige Zeitachse vor Augen. Ein Provisorium soll bekanntlich bis zum Sommer dafür sorgen, dass Fußgängern und Radfahrern der Weg über den Rhein wieder offen steht (die RZ berichtete). Dann soll 2011 die seit Jahren gesperrte Unterstromseite hergerichtet werden, damit diese im Folgejahr (2012) als Ausweichmöglichkeit zur Verfügung steht, wenn der Weg auf der Oberstromseite saniert und ausgebaut wird.

Auch die Öffnung des Wehrstegs über die Mosel wird noch auf sich warten lassen: Der Beginn der Arbeiten an der Staustufenanlage, so die Stadt, wurde vom Wasser- und Schifffahrtsamt verschoben. Prümm: “Wir gehen davon aus, dass eine Wiedereröffnung im Jahr 2010 möglich sein wird.” Ingo Schneider

Rhein-Zeitung – Ausgabe Koblenz und Region vom 03.04.2009, Seite 15.