Der Politik auf den Zahn gefühlt
Wirtschaftsjunioren löcherten Vertreter der Koblenzer Parteien – Nachholbedarf beim Standortmarketing angemahnt
Heute in genau drei Monaten sind auch die Koblenzer aufgerufen, einen neuen Stadtrat zu wählen. Eine Wahlerleichterung sollte der 12. Mittelrheinische Wirtschaftskonvent bringen, bei dem die Wirtschaftsjunioren Vertreter der Ratsparteien befragten. Ihre Blickrichtung: Wofür stehen die Koblenzer Fraktionen?
KOBLENZ. Fünf Parteivertreter, fünf Themenkomplexe, drei Interviewer, ein Unparteiischer: Beim 12. Mittelrheinischen Wirtschaftskonvent stiegen die Wirtschaftsjunioren Mittelrhein (WJM) mit CDU, SPD, Freier Bürgergruppe (FBG), Grünen und FDP in den Ring. Ohne Boxhandschuhe, dafür mit einem sehr detaillierten Fragenkatalog – und einem Gong, der die Redezeit konsequent begrenzte. Und eine weitere Vorgabe war klar formuliert: Tabu waren die Themen Zentralplatz und Buga.
Bei Schilling Automobile traten Hans-Jörg Assenmacher (CDU), Marion Lipinski-Naumann (SPD), Walter Baum (FBG), Hans-Peter Ackermann (Grüne) und Birgit Hoernchen (FDP) für die Politik an. Die Fragen stellten WJM-Sprecher Andreas Nonnenmacher und seine Mitstreiter Britta Riebesehl und Markus Philippi.
Los ging es nach der Begrüßung durch Autohaus-Seniorchef Rolf Schilling und einer Einführung durch IHK-Hauptgeschäftsführer Hans-Jürgen Podzun mit einem einminütigen Plädoyer der Politiker für ihre Partei. In aller Kürze:
● “Die CDU steht für eine starke, klare Wirtschaftspolitik.” (Assenmacher)
● “Die SPD ist in Koblenz ein zuverlässiger Partner und Ansprechpartner für die Bürger.” (Lipinski-Naumann)
● “Die FBG will mit solider, bürgernaher Politik für das Machbare stehen.” (Baum)
● “Wir Grüne haben uns stark mit dem Haushalt auseinander gesetzt. Mehr Schulden sind nicht verantwortbar.” (Ackermann)
● “Die FDP hat den Haushalt zuletzt abgelehnt. Den bekommen wir von der Aufsichtsbehörde ohnehin zurück.” (Hoernchen)
Es folgten fünf Themenkomplexe, zu denen die WJM-Vertreter die Politiker mit reichlich Zahlen und Fakten eindeckten, bevor sich diese mit detaillierten, sehr konkreten Fragen auseinandersetzen mussten. Es drehte sich um die Wirtschaftsförderung, ein Standortmarketing, die demografische Entwicklung, den Schulterschluss der Region und eine Vision für Koblenz im Jahr 2020.
Sehr achtbar schlugen sich die fünf Ratsmitglieder im Kampf mit dem akribisch ausgearbeiteten Fragenkatalog. Einig waren sie sich weitgehend in der Einschätzung, dass das Marketing für den Standort Koblenz durchaus ausbaufähig ist. Auseinander gingen die Meinungen dagegen bei der Bewertung der Koblenzer Wirtschaftsförderung der vergangenen Jahre: Organisatorische Veränderungen mahnte Hans-Jörg Assenmacher (CDU) an. Zu sehr sei das Wirtschaftsförderungsamt mit wenigen Großprojekten belastet worden. “Es fehlen die Konzepte”, monierte Birgit Hoernchen (FDP). Weniger unzufrieden äußerten sich SPD und Grüne. “Es sind viele Ansiedelungen geglückt”, meinte Hans-Peter Ackermann. Problem aber: Der Rat fordert etwas, ob es die Verwaltung umsetze, sei jedoch die Frage. Für Marion Lipinski-Naumann gilt es nun zunächst die Voraussetzungen zu schaffen, dass die vorhandenen kleinen Mittelständler im Stadt(teil)kern bleiben können. “Die Grundvoraussetzungen dafür zu schaffen, das ist Wirtschaftsförderung.” Kleine Löcher in den Straßen stopfen, bevor sie groß werden, die Bildungspolitik stärken und den Sanierungsstau in den Schulen weiter bekämpfen: Das sind Ziele der FBG nach der Wahl, wie Walter Baum betonte.
Zu einer ersten Bestandsaufnahme in ähnlicher Runde lud WJM-Sprecher Nonnenmacher die Politiker bereits für das kommende Jahr ein. “Wir wollen nicht als Besserwisser dastehen”, betonte er, “wir bieten unsere Unterstützung an.” Ingo Schneider
Rhein-Zeitung – Ausgabe Koblenz und Region vom 07.03.2009, Seite 23.