Nutzviehhalle wird “Konsumdom”

Betonsanierung im Baudenkmal ist weitgehend abgeschlossen – Verbrauchermarkt soll bereits im April 2009 eröffnet werden
Jahrelang war das Schicksal der historischen Halle auf dem ehemaligen Schlachthofgelände völlig ungewiss. Jetzt geht alles ganz schnell. Bis zum März 2009 soll sich das Baudenkmal in einen “Konsumdom” verwandeln. Die Betonsanierung ist bereits weit vorangeschritten.
KOBLENZ. Die Bodensanierung ist abgeschlossen, die meisten Betonteile wurden bereits neu beschichtet: Auf dem alten Schlachthofgelände im Rauental scheinen sich die Ereignisse zu überschlagen. Restaurierung und Umbau des 1912 nach Plänen des Stadtbaumeisters Friedrich Wilhelm Ludwig Mäckler vollendeten Schlachthofs sind so weit vorangeschritten, dass der ehrgeizige Zeitplan nicht gefährdet ist. Bereits Anfang April 2009 soll in der Halle, deren Inneres an eine mittelalterliche Basilika erinnert, ein Verbrauchermarkt eröffnen. Wer derzeit vor dem denkmalgeschützten Bau steht, kann das kaum glauben.
Nach der Beseitigung störender und nicht denkmalschutzgerechter Ein- und Anbauten sowie der Befreiung des Geländes von Altlasten konzentrieren sich nun die Aktivitäten auf den gewaltigen Innenraum, der inzwischen deutlich heller geworden ist. Das liegt an dem neuartigen dreischichtigen Spezialanstrich aus Sand, Latex und Bindemitteln, der künftige Rissbildungen in der Stahlbetonkonstruktion ausschließt. Zuvor waren schadhafte Stellen verpresst worden.
Hinter dem Großprojekt steht die Aldo Grundbesitz Verwaltungs-GmbH aus Ingelheim. Dieser Investor, der mit dem Koblenzer Architekturbüro Thillmann und dem Neuwieder Ingenieur Dr. Klaus-Dieter Lauermann zusammenarbeitet, hat die Dohle-Handelsgruppe für sich gewonnen. Der künftige Pächter Dohle ist durch seine mehr als 90 Hit-Verbrauchermärkte bekannt geworden. Die Gruppe will sich auch in Koblenz in einem gehobenen Segment im Lebensmitteleinzelhandel präsentieren will.
Bereits seit einigen Monaten arbeitet sie eng mit dem Amt für Wirtschaftsförderung zusammen. Die erforderlichen Gutachten liegen vor. Alle an den Planungen Beteiligten sind fest davon überzeugt, dass das ehrgeizige Projekt keine Konkurrenz für andere Geschäfte in der Innenstadt und im Rauental sein wird (die RZ berichtete ausführlich).
“Wir gehen davon aus, dass der weitere Innenausbau sehr zügig erledigt wird, weil jetzt unabhängig von der Witterung gearbeitet werden kann”, betonte Baudezernent Martin Prümm bei einem Ortstermin. Derzeit laufen die großen Wand- und Deckenarbeiten in der Halle aus. Was im Grunde genommen noch fehlt, sind der Boden und der Ausbau der Nebenräume. Wenn das erledigt ist, können Licht- und Klimatechnik in Angriff genommen werden. Lichtbänder sollen für Helligkeit, eine ökonomische Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung für die richtige Temperierung sorgen. “Interessant ist, dass die Halle deutlich ressourcenschonender beheizt werden kann als ursprünglich angenommen”, erklärt Jürgen Czielinski, Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung. Wenn der Innenausbau abgeschlossen ist, soll in der alten Nutzviehhalle eine Einzelhandelsfläche mit einer Größe von mehr als 2000 Quadratmetern zur Verfügung stehen. Dort will die Dohle-Handelsgruppe ihr Frischemarktkonzept möglichst zügig umsetzen.
Während im Inneren der Halle das Ende der Maßnahmen bereits absehbar ist, muss im Außenbereich noch einiges getan werden – nicht nur deshalb, weil für die ordnungsgemäße Belieferung ein Anbau erforderlich ist. Die Fassade ist noch in einem arg verwahrlosten Zustand. Die Restaurierung wird derzeit in enger Abstimmung mit der Baudenkmalpflege des Landes in Mainz vorbereitet. Stadtverwaltung und Investoren bezeichnen übrigens die Zusammenarbeit mit den Bewahrern des kulturellen Erbes als “konstruktiv und reibungslos”.
Mit der Umnutzung der Halle und der damit verbundenen Ausweisung einer ausreichenden Zahl von Parkplätzen wird es übrigens nicht getan hat sein. Das Amt für Wirtschaftsförderung hat dem Konzept der Investoren vor allem deshalb den Vorzug gegeben, weil diese nicht nur 100 neue Arbeitsplätze in Aussicht stellen, sondern sich auch um die große Freifläche vor dem Halleneingang kümmern wollen. Dort soll ein weiteres dreigeschossiges modernes Dienstleistungsgebäude mit Büro- und Gewerbeflächen entstehen. (ka)
Rhein-Zeitung – Ausgabe Koblenz und Region vom 07.10.2008, Seite 17.