CDU Stadtratsfraktion Koblenz

Ludwig Museum weist die Kritik zurück

Wurde Geld verschwendet? Rechnungsprüfungsausschuss des Stadtrats spricht von nicht beachteten Vergabevorschriften – Reifenscheid reagiert
Die Vorwürfe klingen heftig: Bei einer “Vielzahl von Ausstellungen” im Ludwig Museum seien “die auch für den Kulturbereich geltenden Vergabevorschriften” nicht beachtet worden. Diese und weitere Vorhaltungen macht der Rechnungsprüfungsausschuss des Stadtrats dem Museum. Nun reagieren die Leiterin Dr. Beate Reifenscheid und Kulturdezernent Detlef Knopp. Die Vorwürfe werden zurückgewiesen.
KOBLENZ. Sehr entschieden hat die Leiterin des Koblenzer Ludwig Museums, Dr. Beate Reifenscheid, auf die Kritik des Rechnungsprüfungsausschusses der Stadt an den organisatorischen und vergaberechtlichen Abläufen in ihrem Haus reagiert. “Dass hier erhebliche Mittel verschwendet worden sein sollen, ist schlichtweg falsch. Es wäre auch total widersinnig, da wir seit Jahren jede Mark und jeden Euro fünfmal umdrehen müssen, um mit unseren spärlichen Mitteln überhaupt arbeiten zu können.”
So werde auch und gerade bei Vergaben “gefeilscht” – “und wir holen schon immer Vergleichsangebote ein, bevor wir etwas ausgeben”, so die Museumschefin auf Anfrage unserer Zeitung: “Man kann uns fast keinen Vorwurf machen.” Das “fast” bezieht sie auf einen konkreten Fall, der ihr bekannt sei, bei dem in einer Rechnung zwei Prozent Skonto nicht eingehalten wurden, was einen Schaden von etwa 120 Euro verursacht habe. “Als das bekannt wurde, konnten wir handeln.”
Zudem habe es in den vergangenen Jahren eben auch aufgrund der mangelhaften personellen Situation im Museum hier und da geknirscht. “Das hat sich jetzt aber schon spürbar verbessert, da eine neue Verwaltungsleiterin eingestellt werden konnte, die sich hervorragend um Vergabedinge kümmert”, so Beate Reifenscheid. Auf diese “personelle Neubesetzung” hob auch die Vorsitzende des Ausschusses, Angela Keul-Göbel, in ihrem Bericht vor dem Rat ab. Sie hatte unter anderem eine Dienstanweisung gefordert, “die präzise und eindeutig die Befugnisse und Verantwortlichkeiten der Verwaltungsfachkraft in Abgrenzung zu der Leitungsebene der Museen regelt”.
Außerdem heißt es in Keul-Göbels Bericht: “Der Ausschuss kam zu dem Ergebnis, dass bei einer Vielzahl von Ausstellungen die auch für den Kulturbereich geltenden Vergabevorschriften nicht beachtet wurden. Gleiches gilt für die vertragsrechtlichen Regelungen, die im Falle des Museums in der Regel auf mündlichen Absprachen oder ausschließlich auf den Vorgaben der Aussteller beruhten. Dies führte anschließend bei der Umsetzung oftmals zu einer für die Stadt nachteiligen Auslegung. Bei einer verwaltungsmäßig sach- und fachgerechten Abwicklung der Ausstellungen hätten aus Sicht des Ausschusses erhebliche Mittel eingespart werden können.” Und weiter: Der Ausschuss “kam dabei zu der Erkenntnis, dass im Ludwig Museum ein grundsätzlicher organisatorischer Regelungsbedarf besteht”.
Dem kann Reifenscheid nur insofern zustimmen, als dass das Museum aus ihrer Sicht personell total unterbesetzt ist: “Und dennoch oder gerade deswegen können wir mit Stolz sagen, dass wir in den vergangenen Jahren gute und effektive Museumsarbeit geleistet haben. Auch wenn das Leute, die nicht vom Fach sind, anders sehen mögen.” So sei es gerade ihr stets gelungen, den “spärlichen Ausstellungsetat”, der aus 40 000 Euro von der Stadt und 40 000 Euro von der Ludwig-Stiftung besteht, deutlich aufzustocken, sogar zu verfünffachen. Dass im Ludwig Museum gute Arbeit geleistet wird, sei ihr auch im Ausschuss schlussendlich bestätigt worden. “Schließlich sind wir das einzige Museum in Rheinland-Pfalz, das ein solches Programm bietet. Wir haben national und auch international einen sehr guten Ruf.”
Der Koblenzer Kulturdezernent Detlef Knopp nimmt das Ludwig Museum gegen die “überwiegend pauschalen” Vorwürfe der Vorsitzenden des Rechnungsprüfungsausschusses in Schutz: “Bei zahlreichen Vergabevorgängen kann auch einmal ein Fehler vorkommen. Wenn sie konkret benannt werden, kann man die Ursachen dafür auch abstellen”, so der Dezernent. “Ich habe selbst in einer Sitzung des Rechnungsprüfungsausschusses zu konkreten Vorgängen Stellung genommen und darauf hingewiesen, dass endlich die Stelle der Verwaltungsleitung im Ludwig Museum wiederbesetzt werden konnte. Dies hat zu einer deutlichen Verbesserung der organisatorischen Abläufe geführt.”
Im Übrigen werde, so Knopp auf RZ-Anfrage, die bisher ungenügende personelle Ausstattung des Museums durch die Berücksichtigung einer neuen Stelle im Stellenplan 2008 korrigiert. Knopp wendet sich aber entschieden dagegen, einzelne interne Vorgänge zu einer Pauschalkritik am Museum zu missbrauchen. “Das Ludwig Museum stärkt den Museumsstandort Koblenz und hat hervorragende Perspektiven, weil es zum Kernbereich der Buga mit entsprechenden Ausstellungskonzepten gehört!” Tim Kosmetschke
Quelle: Rhein-Zeitung – Ausgabe Koblenz und Region vom 25.08.2008