Seniorenbeirat ist angetan vom Dahl
Arbeitskreis Stadtentwicklung schaut sich um – Weitere Rundgänge geplant
Wie seniorentauglich ist Ehrenbreitstein? Dieser Frage ging der Arbeitskreis Stadtentwicklung im Seniorenbeirat der Stadt auf den Grund. Fazit: Im Großen und Ganzen steht Ehrenbreitstein in puncto Seniorenfreundlichkeit recht gut da, wenn auch ein paar tückische Stolperfallen lauern. Grundsätzliche Kritik wurde aber am offiziellen Leitbild der Stadt geübt, weil Senioren darin gar nicht vorkommen.
EHRENBREITSTEIN. Auch in Koblenz leben immer mehr ältere Menschen. Das stellt die Stadtplaner vor besondere Herausforderungen. “Man muss für die Zukunft planen, weil die Städte immer älter werden”, meint Monika Artz, die Sprecherin des Arbeitskreises Stadtentwicklung im Seniorenbeirat. Allerdings vermisst sie im Leitbild der Stadt Koblenz entsprechende Aussagen über spezielle Bedürfnisse wie seniorengerechtes Wohnen.
“Das Leitbild muss dringend fortgeschrieben werden, weil man im ganzen Konzept diese Ideen nicht findet”, betont sie. Ohnehin kann ein jüngerer Mensch die Lebenssituation der älteren Generation nicht so gut einschätzen wie die Betroffenen selbst.
Deswegen entwickelt der Arbeitskreis Anregungen und versucht direkten Einfluss auf die Stadtentwicklung und Planung zu nehmen. Um zu sehen, wo Handlungsbedarf besteht, nehmen die Arbeitskreismitglieder jetzt nach und nach einige Koblenzer Stadtteile unter die Lupe. Demnächst sind Lützel und die Karthause an der Reihe, aber als erstes wurde nun Ehrenbreitstein auf seine Seniorentauglichkeit geprüft. Als ortskundigen Führer hatte Monika Artz ihren Stadtratskollegen Manfred Diehl (CDU) gewinnen können, der die etwa zehnköpfige Gruppe durch das Dahl führte.
Die erste Stolperfalle lauerte schon zu Beginn des Rundgangs und sorgte für eine kurze Schrecksekunde, als ein Teilnehmer die Treppe zur Kapuzinerkirche hinaufstürzte, weil die steinernen Stufen ungleich hoch und damit ganz und gar nicht seniorenfreundlich sind. Als weitere Stolperfallen machte der Arbeitskreis in der Straße “Am Markt” sogenannte “Kissen” aus – gepflasterte Erhebungen, die Autofahrern die Abkürzung durch die engen Gassen verleiden sollen, aber für Senioren, die nicht mehr ganz so gut zu Fuß sind, eine Behinderung darstellen.
Ansonsten war die Gruppe sehr angetan von Ehrenbreitstein. Monika Artz zählte abschließend mehrere Pluspunkte auf: Die Nahversorgung stimmt und wird nach dem Bau des neuen Supermarktes und des Ärztehauses noch besser. Bus und Bahn sind leicht erreichbar, Autos sind aus dem Stadtteilzentrum nicht ganz verbannt, und die Tiefgarage unter der B 42 ist ebenerdig angelegt. “Jede Menge kleiner Punkte sind bereits realisiert”, resümierte Artz.
Manfred Diehl zeigte weitere Vorzüge auf, so die vielen Plätze zum Verweilen, das weitverzweigte Netz verkehrsberuhigter Straßen, die Beschilderung und den Freizeitwert des Stadtteils. Aber noch ist nicht alles perfekt. Diehl bezeichnete die barocken Häuser zwar als ideal für ältere Leute, aber es fehlten Aufzüge. Und die Bänke am Rhein hätte man besser nicht mit dem Rücken zum Weg, sondern direkt vor der Mauer aufstellen sollen, damit sich die Senioren sicherer fühlen, gab er offen zu, zeigte sich aber lernwillig: “Politik von Jüngeren für Ältere heißt: Erst einmal zuhören, dann machen wir weniger Fehler.”
Ulrike Fritscher
Quelle: Rhein-Zeitung – Ausgabe Koblenz Stadt vom 16.05.2008, Seite 20.