CDU will schöneres Rittersturz-Plateau
Fraktion drängt auf eine Neugestaltung bis zum 60. Jahrestag der geschichtsträchtigen Konferenz
KOBLENZ. Ein wenig vernachlässigt und ungepflegt präsentiert sich der Rittersturz. Dabei ist das Aussichtsplateau am Rande des Koblenzer Stadtwaldes für die Geschichte der Bundesrepublik ein außerordentlich bedeutender Ort. Denn hier stand sozusagen ihre Wiege. Im Juli jährt sich die historische, für Westdeutschland bahnbrechende Rittersturz-Konferenz zum 60. Mal. Spätestens dann sollte die Gedenkstätte neu gestaltet sein, so die CDU-Stadtratsfraktion.
Am Ort des Geschehens machten sich Mitglieder der Fraktion ein Bild. Derzeit, so Vorsitzende Anne Schumann-Dreyer, bietet der Rittersturz eher einen traurigen Anblick, der seiner Bedeutung nicht würdig ist. “Die gestalterische Aufwertung der historischen Stätte ist längst überfällig. Auch sollten Wanderer und Touristen durch Wegweiser und Hinweistafeln besser hierher geleitet und über den Stellenwert des Rittersturzes aufgeklärt werden”, betont Anne Schumann-Dreyer.
Im Sommer 1948 war Koblenz Schauplatz der großen Politik. Hier fiel unter Vorsitz des gebürtigen Koblenzers und rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Peter Altmeier (CDU) die Grundsatzentscheidung für den Zusammenschluss der drei westlichen Besatzungszonen zur Bundesrepublik Deutschland.
Am 1. Juli 1948 hatten die drei Militärgouverneure die Ministerpräsidenten der westdeutschen Länder offiziell unterrichtet, dass ihre Regierungen die Bildung eines westdeutschen Staates beschlossen hatten, und sie beauftragt, zu Dokumenten Stellung zu nehmen, die das Verfahren der Staatsgründung regeln sollten. In dieser Situation schlug die große Stunde Peter Altmeiers, der die Regierungschefs aller deutschen Länder nach Koblenz eingeladen hatte, das damals Landeshauptstadt war.
Vom 8. bis 10. Juli 1948 berieten die Minister-, Staats- und Senatspräsidenten sowie regierenden Bürgermeister in Begleitung von Kabinettsmitgliedern über den Beschluss der Alliierten. Maßgeblichen Anteil an den Beratungen hatte auch Carlo Schmid (SPD), der als einer der Väter des späteren Grundgesetzes gilt. Für die beiden großen Parteien kamen Konrad Adenauer und als Vertreter Kurt Schumachers Erich Ollenhauer als Beobachter, ohne an den Verhandlungen teilzunehmen.
Wesentliches Ergebnis der Rittersturz-Konferenz war, die Gründung des Weststaates zu akzeptieren, weil eine Vereinigung ganz Deutschlands unter den bestehenden Umständen als einstweilen nicht realisierbar angesehen wurde. Anders als die Westmächte vorgeschlagen hatten, sollte dieser Staat jedoch nicht von einer verfassungsgebenden Versammlung, sondern von einem parlamentarischen Rat geschaffen werden, der ein Grundgesetz beschließen sollte, das von den Länderparlamenten zu ratifizieren war.
Die Ministerpräsidenten kamen am 25. und 26. August 1949 noch einmal auf dem Rittersturz zusammen. Sie beschlossen die Einberufung von Bundestag und Bundesversammlung und brachten damit das Werk der Staatsgründung formal zum Abschluss.
Quelle: Rhein-Zeitung – Ausgabe Koblenz Stadt vom 30.04.2008, Seite 16.