Stadtteile: Märkte sind nicht in Sicht
CDU kritisiert die Verwaltung – Ordnungsamt schlägt andere Lösung vor
In etlichen Stadtteilen können die Bürger wegen fehlender Geschäfte nicht mehr die Dinge des täglichen Bedarfs einkaufen. Die CDU setzt sich seit Jahren dafür ein, eben dort Wochenmärkte einzurichten, und wirft der Stadtverwaltung Untätigkeit vor. Die wiederum weist die Kritik zurück und schlägt statt Marktständen eine andere Lösung vor.
KOBLENZ. Seit Jahren drängt die CDU-Fraktion darauf, dass Wochenmärkte in den Stadtteilen eingerichtet werden. Gerade dort, wo die Grundversorgung wegen fehlender Einkaufsmöglichkeiten nicht mehr gegeben ist, wie beispielsweise in der Goldgrube oder in Horchheim. Viele Anträge und Anfragen an die Verwaltung wurden gestellt, so auch in der jüngsten Ratssitzung. Die Antwort der Stadtverwaltung ist für die Union ernüchternd, da ein von ihr gefordertes Konzept für die Ansiedlung solcher Märkte nicht vorgesehen ist.
Kein günstiger Rahmen
In ihrer Stellungnahme verweist die Stadtverwaltung auf eine Antwort, die sie der CDU bereits vor rund zwei Jahren gegeben hat. Darin ist zu lesen, dass die Stadt nicht beabsichtigt, als Initiator oder Veranstalter von Wochenmärkten in mehr als 20 Stadtteilen aufzutreten. Personelle Ressourcen stünden nicht zur Verfügung. Sollte jedoch von privater Seite Interesse daran bestehen, beispielsweise in der Goldgrube, Stände aufzustellen, könne dies im Rahmen einer Sondernutzung kurzfristig genehmigt werden. Dem städtischen Ordnungsamt seien jedoch keine Händler bekannt, die an einem Wochenmarkt in der Goldgrube Interesse hätten.
“Ich weiß nicht, wie oft das Thema seit Mai 2005 schon im Wirtschaftsförderungsausschuss auf der Tagesordnung stand. Es bewegt sich nichts. Die Stadtverwaltung will einfach keine günstigen Rahmenbedingungen für Wochenmärkte schaffen”, kritisiert Hans-Jörg Assenmacher, der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Fraktion, einen Stillstand in dieser Thematik. Die Begründung der Stadtverwaltung, es gebe seitens der Händler keine Nachfrage, kann er nicht nachvollziehen: “Es war doch auch beim ,Markt der Regionen‘ kein Problem, Händler zu finden.” Die Stadt brauche eine Gebührenordnung, die Marktbetreiber dazu einlade, einfach einmal ausprobieren zu können, ob sich das Aufstellen von Ständen überhaupt für sie rechnet. “Die Verwaltung macht ihre Hausaufgaben nicht. Wenn nicht die Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit sich etwas bewegen kann, wird sich nichts bewegen”, so Assenmacher weiter.
Diese Kritik will Ordnungsamtsleiter Reiner Klug nicht gelten lassen. Schließlich habe das Amt für Wirtschaftsförderung mit einem bundesweiten Veranstalter von Wochenmärkten Verhandlungen geführt (die RZ berichtete), die jedoch gescheitert sind. Auch die Marktbeschicker auf dem Zentralplatz seien angesprochen worden. Interesse daran, in den Stadtteilen Marktstände aufzubauen, hätten sie jedoch nicht. Klug hält ohnehin “Märkte in den Stadtteilen für nicht durchführbar, weil es für die Händler wirtschaftlich uninteressant ist.” Zudem bieten den Bürgern einzelne Marktstände keine Grundversorgung, so Klug. Diese allerdings könnte laut dem Amtsleiter ein anderes Modell in eben diejenigen Stadtteile bringen, die über keine oder nur ganz wenige Einkaufsmöglichkeiten verfügen.
Rollende Vollversorger
Dieses Modell ist bei der jüngsten Sitzung des Wirtschaftsförderungsausschusses vorgestellt worden: Mit einer in der Eifel ansässigen Firma sei bereits Kontakt aufgenommen worden. Die bietet eine Vollversorgung mit Lebensmitteln an, indem sie mit ihren Verkaufswagen in die Orte fährt. “Wir werden versuchen, dass dieses Unternehmen die Stadtteile zweimal in der Woche für jeweils zwei Stunden anfährt”, erläutert Klug. Ins Auge gefasst sind dabei die Stadtteile Goldgrube, Güls-Bisholder, Stolzenfels, Ehrenbreitstein, Horchheim und Immendorf. Denn dort sieht es mit der Grundversorgung alles andere als rosig aus.
Noch im Dezember sollen geeignete Standorte ausfindig gemacht werden, die von den Lieferwagen problemlos angesteuert werden können. Sind sie gefunden, werden sie der Firma präsentiert. “Wenn Interesse besteht, könnten die Wagen schon im Februar oder März anrollen”, so Klug. Alles weitere hinge dann davon ab, ob es sich für das Unternehmen rechnet. Wegen des jeweiligen Standortwechsels würden auch nur geringe Standgebühren erhoben.
In den besagten sechs Stadtteilen leben circa 4500 Bürger, die älter als 65 Jahre alt sind, erläutert der Amtsleiter. “Wir haben ein großes Interesse daran, dass dort eine Vollversorgung angeboten wird. Die wird dann zwar wohl etwas teurer als im Discounter, aber in einem vertretbaren Rahmen.”
Peter Miltz
Quelle: Rhein-Zeitung – Ausgabe Koblenz Stadt vom 30.11.2007, Seite 22.