Zähe Debatte über Zentralplatz

Stadtrat beschließt Vorgaben für Architektenwettbewerb – Entscheidung soll im Anschluss fallen – Mainz kündigt Förderung an

Die Architekten haben jetzt Klarheit, mit welchen Vorgaben sie den Wettbewerb zur Gestaltung des Koblenzer Zentralplatzes angehen sollen. Wie aber der Platz zur Buga 2011 tatsächlich aussehen wird, kann auch nach der Sitzung des Rats niemand sagen.
KOBLENZ. Der Koblenzer Stadtrat hat sich nach zähem Ringen auf die Vorgaben für den Architektenwettbewerb zum Zentralplatz geeinigt. Die endgültige Entscheidung über die Gestaltung des Zentralplatzes soll im Anschluss fallen – wenn die Frage der Finanzierbarkeit des städtischen Anteils geklärt ist.
Dieses Ergebnis stand am Ende einer dreistündigen Debatte, in der es viel um Details und wenig um Grundfragen ging. Nur zwei Fraktionen legten sich bereits fest: Die FDP wird nicht zustimmen, stellte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Dr. Michael Gross fest. Und auch Andrea Mehlbreuer, Fraktionsvize der Grünen, kündigte an: „Ein zweites Shopping-Center lehnen wir ab.“

„Wir haben die große Sorge, dass die Kultur auf der Strecke bleibt“, betonte auch Hans-Jörg Assenmacher, stellvertretender Fraktionschef der CDU. Redlich sei es, den Investor früh auf drohende Probleme hinzuweisen.

Diese stellten sich für die SPD nicht so gravierend dar. Der Wegfall des Science-Centers sei verkraftbar, der des Multifunktionssaals durch ein größeres Foyer aufzufangen, meinte Fraktionsvize Jürgen Zahren. Er betonte erneut den Charakter und die Chancen des Modells, in dem öffentliche Hand und Investor eng zusammenarbeiten. „Wir stehen vor einem Quantensprung für Koblenz“, war sich die Fraktionsvorsitzende Marion Lipinski-Naumann sicher. Und auch FBG-Chef Manfred Gniffke will jetzt die Wettbewerbsergebnisse abwarten, bevor weitere Entscheidungen fallen.

Doch um die Grundfragen der Zentralplatzpläne sollte es bei dem Beschluss am Donnerstagabend aus Sicht von Oberbürgermeister Dr. Eberhard Schulte-Wissermann (SPD) ohnehin nicht gegen. Thema sollten lediglich die Vorgaben für den Architektenwettbewerb sein. „Beschränkungen, die den Architekten vorgegeben werden sollen“, so der Stadtchef.

Über Stunden rangen die Ratsmitglieder um Formulierungen – spontane CDU-Fraktionssitzung im Nebenraum eingeschlossen. Am Ende wurde sowohl der Multifunktionssaal als auch das Science-Center aus den Plänen gestrichen. Die Foyerfläche wird um 450 Quadratmeter vergrößert. Und: Das Verhältnis der Flächen für Einzelhandel und Kultur wurde auf zwei zu eins oder auf 20 000 zu 10 000 Quadratmeter festgelegt. Auf Drängen der CDU wurde auch klar formuliert, dass es unverändert bei einer Fläche von 3250 Quadratmeter für die Kultur im begehrten Erdgeschoss bleiben soll.

Insgesamt machte ein Änderungsantrag der Union – von der FDP als „Ausstiegsoption“ ausdrücklich begrüßt – eine langwierige Debatte um einzelne Formulierungen notwendig. Am Ende stand die Einigkeit, man werde die Wettbewerbsergebnisse abwarten, sehen was zu finanzieren ist und dann entscheiden – auch über die endgültige Festlegung der Flächen für den Einzelhandel.

Zur Frage der Finanzierung überbrachte Jürgen Czielinski, Leiter des Amts für Wirtschaftsförderung, in der Sitzung Nachricht aus Mainz. Die Platzsanierung werde weiter – inklusive des Abrisses des Hertie-Hauses – mit 75 Prozent bezuschusst. Eine Landesförderung wurde zudem für den Ausbau der Flächen für Museum und Mediathek mit 60 Prozent in Aussicht gestellt. Ingo Schneider

Quelle: Rhein-Zeitung – Ausgabe Koblenz Stadt vom 15.09.2007, Seite 19.