Grün soll Häusern nicht weichen

CDU und SPD kritisieren Bima-Konzept für Pfaffendorfer Höhe: Weitere Wohnungen und zweites Einkaufszentrum unerwünscht

Wie dem Leerstand in der Wohnsiedlung auf der Pfaffendorfer Höhe entgegenwirken? Bereits im vergangenen Jahr hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben ein Konzept vorgelegt, an dem die beiden großen Ratsfraktionen einiges auszusetzen haben. Bewegt hat sich seitdem jedoch nichts.
PFAFFENDORF. In der Siedlung auf der Pfaffendorfer Höhe sind in vielen der 423 Wohnungen die Rollläden heruntergelassen – dauerhaft. Rund 30 Prozent der Wohnungen stehen dort leer, so das Pfaffendorfer Ratsmitglied MdL David Langner (SPD) und CDU-Fraktionschefin Anne Schumann-Dreyer, und das in einem an sich attraktiven Wohngebiet mit vielen Grünflächen. Gespräche habe es bereits viele gegeben, bewegt wurde bislang wenig, kritisieren die beiden Ratsmitglieder: „Es gibt noch keinen Bebauungsplan. Lediglich seine Aufstellung ist beschlossen.“

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), die im Wohngebiet verschiedene Liegenschaften besitzt, hat bereits im vergangenen Jahr ein Konzept vorgestellt (die RZ berichtete), das zu einer Aufwertung des gesamten Gebietes beitragen soll. Insbesondere kann sich die Bima im Bereich der Johannes-Popitz-Straße ein Stadtteilzentrum vorstellen. Dabei komme der Steigerung der Wohnqualität durch die „Bereitstellung eines Nahversorgers“ eine hohe Bedeutung zu. „Ansiedlungen aus den Bereichen des Gesundheits-, Dienstleistungs- und Pflegewesens sowie der Gastronomie sind ebenfalls vorstellbar“, teilt die Bima auf Anfrage der RZ weiter mit.

Genau dies ist einer von zwei Knackpunkten, an denen sich die beiden großen Fraktionen, die bezüglich der Entwicklung auf der Pfaffendörfer Höhe einen gemeinsamen Kurs einschlagen, stoßen: Sie halten es nicht für sinnvoll, dort ein weiteres Einkaufszentrum in Konkurrenz zu dem bereits vorhandenen in der Ellingshohl zu etablieren. Schumann-Dreyer und Langner sprechen sich dabei nicht gegen eine Erweiterung des Angebots aus, sondern wollen zwei Standorte verhindern.

Als Alternative schlagen die beiden Kommunalpolitiker die Erweiterung des bestehenden Standortes vor oder aber eine Verlagerung an den von der Bima angedachten Standort. Es habe bereits Gespräche mit dem Eigentümer des Geländes gegeben, auf dem sich das Einkaufszentrum befindet. „Er hat grundsätzlich nichts gegen beide Varianten“, erklären Schumann-Dreyer und Langner.

Der zweite Knackpunkt betrifft die Grünflächen. Die Bima erklärt, dass sich im östlichen Bereich derzeit wenig genutzte und für ein Wohngebiet überdimensionierte und in ihrer Unterhaltung sehr teure Grünflächen befinden: „Hier ist eine behutsame kleingliedrige Nachverdichtung angestrebt, die dennoch den parkähnlichen Charakter des Wohnquartiers beibehält. Hierdurch soll die Wohnqualität gesteigert und nachhaltig sichergestellt werden.“

Die vorhandenen Grünflächen sind grundsätzlich zu erhalten, fordern die beiden Ratsmitglieder. „Wir akzeptieren zusätzliche Wohneinheiten nur dann, wenn dafür dort andere wegfallen“, so Anne Schumann-Dreyer. Und David Langner ergänzt: „Die Umstrukturierung muss in Einklang mit den Bewohnern stehen.“ Bei einer Umfrage haben sich drei Viertel der Befragten gegen eine anderweitige Nutzung der Grünflächen ausgesprochen, so Langner weiter.

Im vergangen November wurde das Konzept der Bima im Fachbereichsausschuss IV beraten. Und zweimal habe man sich bislang auf Fraktionsebene mit der Bima getroffen – im Sommer vergangenen Jahres und im Juni -, zweimal habe die Bima das gleiche Konzept vorgestellt. Und das, obwohl die vorgenannten Einwände nach dem ersten Gespräch bekannt gewesen seien, kritisieren die beiden Ratsmitglieder das derzeitige Auf-der-Stelle-Treten.

Auch die Stadt habe gegenüber der Bima erklärt, dass eine Bebauung auf Kosten von Grünflächen nicht zu akzeptieren ist, erklärt Frank Hastenteufel, der Leiter des Amtes für Stadtentwicklung und Bauordnung. Einen eigenen Entwurf der Stadt für die Pfaffendorfer Höhe gebe es allerdings nicht.

Auf Fördermittel kann Hastenteufel keine Hoffnung machen. Die seien für die Pfaffendorfer Höhe beim Land zwar angefragt worden, kommen aber mit Verweis auf die anderen Fördergebiete in der Stadt gegenwärtig nicht infrage, erläutert der Amtsleiter. Peter Miltz

Quelle: Rhein-Zeitung – Ausgabe Koblenz Stadt vom 01.09.2007, Seite 27.