Rat ringt um das Verkehrskonzept

Fraktionen stimmen Buga-Sparpaket zu und kippen damit die Tieferlegung der Neustadt – Trotzdem Freiräume geschaffen

Wie wird im Buga-Jahr 2011 der Verkehr in der Innenstadt fließen? Hinter den Kulissen laufen die Planungen, um diese Frage schnellstmöglich zu beantworten. Doch nicht alle Mitglieder des Koblenzer Stadtrates sind von den Überlegungen der Planer angetan.
KOBLENZ. Die Entscheidung fiel am frühen Abend: Bei zwei Stimmen und zwei Enthaltungen segnete der Koblenzer Stadtrat in seiner gestrigen Sondersitzung das rund 8,9 Millionen Euro schwere Buga-Sparpaket ab, um den ursprünglichen Gesamtansatz von 102 Millionen Euro zu retten. Mit dieser Entscheidung wurde auch die Tieferlegung der Neustadt endgültig gekippt. Sie war mit einem Ansatz von rund 3,45 Millionen Euro der größte Posten in der von der Stadtverwaltung und der Buga-Gesellschaft erarbeiteten Streichliste.

Trotz der erheblichen Reduzierung gab es auch zufriedene Gesichter. So machten die Bündnisgrünen noch einmal deutlich, dass sie von einem Graben mit Fußgängerbrücke in der Neustadt gar nichts halten. Andrea Mehlbreuer betonte, dass derartige Planungen nicht mehr auf der Höhe der Zeit seien. Dagegen betonten die Sprecher der anderen Fraktionen, dass sie in ihren Sitzungen das Für und Wider abgewogen haben (die RZ berichtete).

Hanspeter Faas ließ durchblicken, dass er dem Verzicht auf die Tieferlegung nicht besonders nachtrauert. Er präsentierte Visualisierungen, die deutlich machen, dass eine ebenerdige Lösung aus gestalterischer Sicht durchaus Vorteile bringen kann.

Der Verzicht bringt aber auch Nachteile: Die Planer müssen nun Lösungen entwickeln, die Verkehrsbelastungen nicht nur in der Neustadt, sondern auch in Clemensstraße und Pfuhlgasse deutlich zu reduzieren. Die Folge dürften Mehrbelastungen in anderen Bereichen der Innenstadt sein. Das war schon vor der Abstimmung deutlich geworden, als Chef-Stadtentwickler Frank Hastenteufel gemeinsam mit dem Aachener Planer Wolfgang Christ den bisherigen Stand des Verkehrskonzeptes vorstellte.

An der Präsentation entzündete sich eine sehr unfreundliche Debatte, bei der vor allem Vertreter der CDU und FDP die Verwaltung kritisierten. Der Vorwurf: Die Planer würden nur unvollständig über die tatsächlichen Probleme informieren, und zudem ignoriere die Verwaltung Beschlüsse des Stadtrates.

Hans-Jörg Assenmacher (CDU) kritisierte sehr deutlich, dass das in nicht öffentlicher Sitzung ausgesprochene Nein des Rates zum Zentralplatz-Verkehrskonzept im Gesamtplan nicht berücksichtigt worden sei. Dem widersprach der Oberbürgermeister entschieden. Dr. Eberhard Schulte-Wissermann betonte, dass es sich lediglich um einen Zwischenbericht ohne Konsequenzen handele.

Mit der Erklärung des OB wollte sich Dr. Michael Groß (FDP) nicht zufriedengeben. Sein Hauptkritikpunkt: Die Planer verniedlichen die Mehrbelastungen durch täglich mindestens 4500 zusätzliche Pkw, was den Friedrich-Ebert-Ring in Spitzenzeiten zum Kollabieren bringen könnte. Und auch Angela Keul-Göbel (CDU) nannte die Ausführungen beim Blick auf die Hohenfelder Straße kontraproduktiv. Sie fragte sich, was es für einen Sinn habe, den Bereich am Löhrrondell rückzubauen, wenn die Planer doch gerade hier mit einer Mehrbelastung rechnen. (ka)

Quelle: Rhein-Zeitung – Ausgabe Koblenz Stadt vom 31.08.2007, Seite 17.